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Hochverdauliches Hundefutter

Autorenbild: Tiertherapie |  Ernährungsberatung
Tiertherapie | Ernährungsberatung
10. Sept.
5 Min. Lesezeit

Hochverdauliches Hundefutter: Ist das neue Futter schuld?


hochverdauliches HUNDEFUTTER

Ein Hund wird über Monate oder Jahre mit demselben Futter ernährt.


Vielleicht hat er immer wieder Verdauungsprobleme. Er frisst schlecht, reagiert empfindlich, hat wechselnden Kot, Blähungen, Sodbrennen oder andere Auffälligkeiten. Vielleicht wurde deshalb bereits mehrfach das Futter gewechselt oder irgendwann ein spezielles Diät- oder Sensitivfutter empfohlen.


Dann entscheiden sich die Halter für eine Veränderung.


Der Hund bekommt ein hochverdauliches Hundefutter mit überschaubarer Zusammensetzung, hochwertigen tierischen Bestandteilen und möglichst wenigen unnötigen Zusätzen.


Das Futter schmeckt.

Die Verdauung funktioniert.

Der Hund verträgt die Umstellung zunächst gut.


Doch einige Wochen später tritt eine gesundheitliche Auffälligkeit auf oder ein Laborwert verändert sich.


Und plötzlich steht eine Frage im Raum: Kann das vom neuen Futter kommen?


Natürlich kann und sollte eine neue Ernährung bei Veränderungen mitgedacht werden.


Aber: Nur weil ein Futter neu ist, ist es nicht automatisch die Ursache.


Vermutungen sind keine Ursachen


Wenn sich nach einer Futterumstellung etwas verändert, entsteht schnell eine gedankliche Verbindung: Neues Futter – neue Auffälligkeit – also muss das Futter schuld sein.


So einfach ist es jedoch nicht.


Ein zeitlicher Zusammenhang ist zunächst genau das: ein zeitlicher Zusammenhang.


Vielleicht besteht tatsächlich eine Verbindung. Vielleicht entwickelt sich aber gleichzeitig etwas, das bereits lange vorher begonnen hat.


Dasselbe gilt übrigens auch bei positiven Veränderungen.


Wenn ein Hund drei Wochen nach einer Futterumstellung plötzlich weniger Juckreiz hat, kann ich nicht automatisch behaupten: „Das neue Futter hat den Juckreiz geheilt.“


Ich kann beobachten, dokumentieren und Zusammenhänge prüfen.


Aber Vermutungen sind keine Ursachen.


Das gilt auch dann, wenn das neue Futter gerade besonders gut in unsere Erklärung passen würde.


Ein Futterwechsel löscht die Vorgeschichte nicht


Das wird bei der Beurteilung einer Futterumstellung manchmal vergessen.


Ein Hund beginnt nicht am ersten Tag seines neuen Futters bei null.

Sein Verdauungssystem bringt eine Geschichte mit.

Seine bisherige Ernährung bringt eine Geschichte mit.

Sein Stoffwechsel bringt eine Geschichte mit.


Vielleicht gab es schon vorher wiederkehrende Beschwerden. Vielleicht wurden Medikamente gegeben. Vielleicht bekommt der Hund verschiedene Ergänzungsmittel. Vielleicht bestanden bereits auffällige Laborwerte oder Verdauungsprobleme.


Dann kommt ein hochverdauliches Hundefutter in den Napf.


Und fünf Wochen später gehört plötzlich alles, was im Hund passiert, dem neuen Futter?


So funktioniert Ursachenforschung nicht.


Die neue Ernährung ist ein Teil der aktuellen Situation.


Aber sie löscht nicht aus, was vorher war.


Was bedeutet hochverdauliches Hundefutter überhaupt?


„Gut verträglich“ und „hochverdaulich“ sind keine magischen Begriffe.


Entscheidend ist, was tatsächlich im Napf landet und wie der individuelle Hund damit zurechtkommt.


Für mich bedeutet eine gut verdauliche Ernährung vor allem:


hochwertige und gut verwertbare Zutaten, eine nachvollziehbare Zusammensetzung, geeignete tierische Proteinquellen und eine Rezeptur, die den Verdauungstrakt nicht unnötig mit einer Vielzahl verschiedener Bestandteile belastet.


Dabei gilt: Mehr Zutaten bedeuten nicht automatisch mehr Qualität.

Und mehr Zusatzstoffe bedeuten ebenfalls nicht automatisch eine bessere Versorgung.


Gerade bei empfindlichen Hunden kann es sinnvoll sein, die Ernährung zunächst überschaubar zu halten.


Denn je einfacher nachvollziehbar ist, was ein Hund bekommt, desto besser lässt sich beobachten, was ihm tatsächlich bekommt.


Nicht jedes Spezialfutter ist automatisch das beste Hundefutter


Begriffe wie „Sensitive“, „Gastro“, „hypoallergen“ oder „Diät“ vermitteln Sicherheit.


Und je nach Erkrankung kann eine spezielle veterinärmedizinische Diät vielleicht notwendig sein.


Trotzdem lohnt sich auch bei einem Spezialfutter ein Blick auf die Deklaration.

Was ist tatsächlich enthalten?

Welche tierischen Bestandteile werden verwendet?

Welche Kohlenhydratquellen sind enthalten?

Wie hoch ist ihr Anteil?

Welche technologischen oder ernährungsphysiologischen Zusatzstoffe finden sich im Futter?

Und passt diese Zusammensetzung tatsächlich zu diesem Hund?


Ein Etikett beantwortet diese Fragen nicht.


Deshalb darf auch ein Futter, das jahrelang gefüttert wurde oder ursprünglich aus einem therapeutischen Grund empfohlen wurde, irgendwann erneut betrachtet werden.


Warum das alte Futter ebenfalls auf den Prüfstand gehört


Wenn ein Hund über längere Zeit gesundheitliche oder verdauungsbezogene Auffälligkeiten zeigt, finde ich eine Frage besonders wichtig:


Warum hinterfragen wir zuerst das neue Futter – und nicht auch die Ernährung der vergangenen Monate oder Jahre?


Das Neue ist leicht zu verdächtigen.

Es liegt direkt vor uns.

Wir kennen den Zeitpunkt der Veränderung.

Das Alte dagegen ist vertraut geworden.


Vielleicht wurde es einmal empfohlen und danach nie wieder grundsätzlich infrage gestellt.


Aber:

Vertraut bedeutet nicht automatisch passend.


Wenn ein Hund unter seiner bisherigen Ernährung immer wieder Probleme hatte, darf auch diese Ernährung Teil der Betrachtung sein.


Das bedeutet nicht, dass sie automatisch die Ursache war.


Es bedeutet lediglich: Wenn wir nach Zusammenhängen suchen, müssen alle relevanten Faktoren auf den Tisch.


Nicht nur der jüngste.


Ein hochverdauliches Hundefutter sollte am Hund beurteilt werden

Mich interessiert deshalb nicht nur, was auf einer Verpackung steht.

Mich interessiert vor allem der Hund.

Frisst er das Futter gerne?

Wie ist seine Verdauung?

Wie sieht der Kot aus?

Hat er Blähungen?

Wirkt er nach dem Fressen unruhig oder entspannt?

Wie entwickelt sich sein Gewicht?

Wie ist sein Allgemeinzustand?

Gibt es Auffälligkeiten, die bereits vor der Futterumstellung bestanden?

Und was hat sich seit der Umstellung tatsächlich verändert?


Genau deshalb ist die Beobachtung nach einem Futterwechsel so wertvoll.


Nicht um jedes kleine Ereignis sofort dem neuen Futter zuzuschreiben.


Sondern um Entwicklungen im Zusammenhang mit der gesamten Vorgeschichte beurteilen zu können.


Natürliches Hundefutter ist kein Heilversprechen


Auch das gehört für mich zu einer ehrlichen Ernährungsberatung.


Ein hochwertiges, natürlich zusammengesetztes und hochverdauliches Hundefutter kann eine sehr gute Grundlage für die Ernährung eines Hundes sein.


Aber es ist kein Zaubermittel.

Eine Futterumstellung löscht keine bestehende Erkrankung.

Sie macht Medikamente nicht automatisch überflüssig.

Und sie garantiert nicht, dass sich jeder gesundheitliche Wert anschließend verbessert.


Deshalb halte ich wenig von Versprechen wie:

„Mit diesem Futter werden die Beschwerden verschwinden.“


Genauso wenig halte ich allerdings von der umgekehrten vorschnellen Behauptung:

„Seit der Hund dieses Futter bekommt, ist etwas auffällig – also verträgt er es nicht.“


Beides ist zu einfach.


Gutes Hundefutter braucht einen offenen Blick

Ernährung ist ein wichtiger Bestandteil der Gesundheit.

Aber sie steht nicht allein.


Wenn sich bei einem Hund etwas verändert, sollten deshalb die Ernährung, seine Vorgeschichte, bestehende Erkrankungen, Medikamente, Ergänzungsmittel, Lebensumstände und andere Veränderungen gemeinsam betrachtet werden.


Manchmal stellt sich dabei tatsächlich heraus:

Dieses Futter passt nicht zu diesem Hund.

Dann wird angepasst.


Aber manchmal zeigt der Blick auf die gesamte Geschichte etwas ganz anderes.


Und genau deshalb sollten wir uns davor hüten, aus einer zeitlichen Reihenfolge vorschnell eine Ursache zu machen.


Vermutungen sind keine Ursachen – auch beim Hundefutter nicht


Ein neues Futter darf hinterfragt werden.

Ein altes übrigens auch.


Und manchmal müssen wir akzeptieren, dass wir einen Zusammenhang zunächst schlicht noch nicht kennen.


Das Neue ist leicht zu beschuldigen.

Schwieriger ist es, das Alte noch einmal infrage zu stellen.


Wer herausfinden möchte, welches Futter seinem Hund wirklich guttut, sollte deshalb nicht nur auf Begriffe, Gewohnheiten oder Vermutungen vertrauen.


Er sollte hinschauen: Was bekommt mein Hund tatsächlich? Wie ist das Futter zusammengesetzt? Wie verträgt er es? Und welche Geschichte bringt er bereits mit?


Denn gutes Hundefutter beginnt für mich nicht mit einem Versprechen auf der Verpackung.


Es beginnt mit einem ehrlichen Blick in den Napf – und auf den Hund, der davorsteht.





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