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Gutes Hundefutter

Autorenbild: Tiertherapie |  Ernährungsberatung
Tiertherapie | Ernährungsberatung
2. Okt.
5 Min. Lesezeit

Wenn aus einem Einkauf plötzlich eine Ernährungsberatung wird


hochverdauliches HUNDEFUTTER

Gutes Hundefutter: Entscheidend ist, was wirklich drin ist


Wenn aus einem Einkauf plötzlich eine Ernährungsberatung wird


Eigentlich wollte ich nur Katzenfutter kaufen.

Bekommen habe ich im „Zoofachhandel“ ungefragt noch eine Ernährungsberatung dazu.


Ich erwähnte, dass bei uns durchaus auch einmal der Hund vom Katzenfutter frisst. Darauf wurde ich darauf hingewiesen, dass Hunde nicht so viel Taurin aufnehmen sollten.


Hunde könnten Taurin nämlich nicht abbauen und sollten deshalb besser nicht so viel Katzenfutter fressen.


Ich fragte nach: „Aber Taurin ist doch unter anderem für das Herz wichtig?“

Die Antwort: „Ja – aber nicht beim Hund.“


An diesem Punkt habe ich nicht weitergefragt.


Aber die Situation zeigt wunderbar, wie viele Aussagen über Hunde- und Katzenfutter immer wieder weitergegeben werden, ohne zu hinterfragen, was ernährungsphysiologisch eigentlich dahintersteckt.


Und sie führt zu einer viel wichtigeren Frage: Was ist eigentlich gutes Hundefutter?


Für mich beginnt die Beurteilung eines Futters nicht mit der schönen Verpackung.

Auch nicht mit Begriffen wie „Premium“, „natürlich“, „mit wertvollem Gemüse“ oder „vom Tierarzt empfohlen“. Und schon gar nicht damit, ob vorne ein Hund oder eine Katze auf der Dose abgebildet ist.


Ich möchte wissen: Was ist tatsächlich drin?

Welche Lebensmittel wurden verarbeitet?

Wie hoch ist der Anteil tierischer Bestandteile?

Welche Fleischsorten und Innereien sind enthalten?

Woher stammen die Nährstoffe?

Und wie transparent wird das alles deklariert?


Denn der Organismus eines Hundes interessiert sich nicht für Marketing.

Er arbeitet mit dem, was im Napf landet.


Taurin ist kein Stoff, den die Futtermittelindustrie für Katzen erfunden hat


Taurin kommt natürlicherweise vor allem in tierischem Gewebe vor. Fleisch, Innereien, Fisch und andere tierische Lebensmittel liefern Taurin.


Der entscheidende Unterschied zwischen Hund und Katze liegt nicht darin, dass Taurin für die Katze gut und für den Hund schlecht wäre.


Die Katze ist auf Taurin aus ihrer Nahrung angewiesen. Der Hund kann Taurin grundsätzlich aus schwefelhaltigen Aminosäuren selbst synthetisieren. Taurin besitzt aber auch im Hundeorganismus physiologische Bedeutung.


Die Behauptung, ein Hund könne Taurin grundsätzlich nicht abbauen und sollte deshalb möglichst kein Katzenfutter fressen, ergibt daraus keinen Sinn.


Denn denken wir diese Aussage einmal weiter: Wenn Taurin für den Hund problematisch wäre – weshalb dürfte ein Hund dann Fleisch und tierisches Gewebe fressen, in denen Taurin natürlicherweise vorkommt?


Genau an solchen Stellen lohnt es sich, vermeintlich einfache Ernährungstipps einmal zu hinterfragen.


Hund und Katze sind nicht gleich – aber anders, als oft behauptet wird


Natürlich gibt es ernährungsphysiologische Unterschiede.


Die Katze ist ein obligater Carnivore und besitzt einige besondere Anforderungen an ihre Nahrung. Sie benötigt beispielsweise Taurin über die Nahrung, außerdem vorgebildetes Vitamin A und Arachidonsäure. Auch ihr Proteinbedarf und der Bedarf an verschiedenen Aminosäuren und Vitaminen unterscheiden sich vom Hund.


Der Hund ist ernährungsphysiologisch flexibler.


Und genau aus diesen Unterschieden entstand vermutlich irgendwann die einfache Regel:


„Katzen dürfen kein Hundefutter fressen.“


Nur ist auch diese Aussage viel zu pauschal.


Die entscheidende Frage lautet: Was für ein Hundefutter?


Bekommt eine Katze dauerhaft ein minderwertiges Hundefutter, das ihre besonderen ernährungsphysiologischen Bedürfnisse nicht erfüllt, kann selbstverständlich eine Unterversorgung entstehen.

Aber daraus folgt nicht, dass jedes Futter, auf dessen Dose „Hundefutter“ steht, für eine Katze grundsätzlich ungeeignet sein muss.


Denn Taurin, Vitamin A, Arachidonsäure, Niacin, Aminosäuren und andere benötigte Nährstoffe sind keine Erfindungen aus dem Labor. Sie kommen natürlicherweise in Lebensmitteln vor.


Wild lebende Feliden haben schließlich Jahrtausende überlebt, ohne dass jemand ihrer Beute eine Vitaminvormischung zugesetzt hat. Sie fraßen tierische Nahrung.

Genau daran ist ihr Stoffwechsel angepasst.


Vorgebildetes Vitamin A findet sich beispielsweise in Leber. Taurin kommt in tierischem Gewebe vor. Fleisch und Fisch liefern Niacin. Arachidonsäure findet sich ebenfalls in tierischen Nahrungsquellen.


Deshalb bedeutet: „Eine Katze benötigt bestimmte Nährstoffe zwingend über die Nahrung“


nicht automatisch: „Diese Nährstoffe müssen synthetisch zugesetzt werden.“


Sie müssen in ausreichender und verfügbarer Menge vorhanden sein.


Das ist etwas völlig anderes.


Ein hoher Fleischanteil ist mehr als eine schöne Zahl auf der Dose


Bei einem hochwertigen Futter mit einem hohen Anteil an Fleisch und geeigneten Innereien stammen bereits zahlreiche Nährstoffe aus den verwendeten Lebensmitteln.


Und genau hier unterscheidet sich mein Verständnis von gutem Hundefutter von vielen stark verarbeiteten industriellen Rezepturen.


Es geht nicht darum, möglichst viele einzelne Nährstoffe auf einer Zusatzstoffliste vorweisen zu können.


Es geht darum, mit welchen Lebensmitteln der Organismus versorgt wird und was diese von Natur aus mitbringen.


Natürlich muss auch bei einem hochwertigen Fleischfutter die Gesamtrezeptur stimmen.


Mehr Leber ist beispielsweise nicht automatisch besser, nur weil Leber reich an Vitamin A ist. Auch natürliche Nährstoffe können bei falscher Zusammensetzung über- oder unterdosiert werden.


Natürlich bedeutet nicht beliebig.


Aber ebenso wenig bedeutet eine lange Liste zugesetzter Vitamine und Mineralstoffe automatisch hochwertig.


Eine Katze kann nicht lesen, was auf der Dose steht


Und genau deshalb finde ich die Diskussion über Hunde- und Katzenfutter so interessant.


Eine Katze steht nicht vor ihrem Napf und sagt:

„Moment! Auf dieser Dose ist ein Hund abgebildet. Das darf ich nicht essen.“

Ihr Stoffwechsel reagiert auf die enthaltenen Nährstoffe.

Dasselbe gilt für den Hund.


Deshalb interessiert mich bei der Beurteilung eines Futters viel mehr: Was steckt tatsächlich darin?


Ein hochwertiges, fleischreiches Hundefutter mit geeigneten Innereien ist ernährungsphysiologisch etwas völlig anderes als ein minderwertiges Produkt mit geringem Anteil hochwertiger tierischer Bestandteile.


Die Aufschrift allein sagt darüber erstaunlich wenig.


Woran erkennst Du gutes Hundefutter?


Für mich beginnt gutes Hundefutter deshalb mit Transparenz.


Ich möchte auf der Deklaration erkennen können, welche tierischen Bestandteile verarbeitet wurden. „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“ ohne nachvollziehbare Aufschlüsselung sagt mir wesentlich weniger als eine offene Deklaration, aus der hervorgeht, welche Fleischsorten und Organe tatsächlich enthalten sind.


Ich möchte Lebensmittel im Napf sehen – keine Marketinggeschichte.


Ein hoher Anteil hochwertiger tierischer Bestandteile, sinnvoll eingesetzte Innereien, eine nachvollziehbare Zusammensetzung und eine möglichst transparente Deklaration sagen mir wesentlich mehr als ein hübsches Etikett mit einem Wolf vor einer Berglandschaft.


Und auch Begriffe wie „Premium“ ersetzen keinen Blick auf die Rückseite der Dose.


Bitte hinterfrage, was Dir über Tierfutter erzählt wird


Ich habe selbst im Zoofachhandel gearbeitet.


Und ich weiß, welche Autorität man dort gegenüber Kundinnen und Kunden plötzlich bekommt. Man steht zwischen Futtersäcken und Dosen, kennt die Produkte und spricht selbstverständlich über Ernährung. Damit entsteht schnell der Eindruck: Die Person wird schon wissen, wovon sie spricht. Meine Kundinnen und Kunden haben mir damals teilweise blind vertraut. Ich hätte ihnen beinahe jeden Unsinn erzählen können, wenn ich ihn nur überzeugend genug vorgetragen hätte.


Genau deshalb möchte ich Dir etwas anderes mitgeben: Hinterfrage.


Wenn Dir jemand sagt, ein bestimmter Inhaltsstoff sei schlecht, frage warum.


Wenn Dir jemand sagt, Dein Hund dürfe etwas grundsätzlich nicht fressen, frage nach der ernährungsphysiologischen Begründung.


Wenn Dir jemand sagt, ein Futter sei besonders hochwertig, drehe die Dose um und schau nach, woraus dieses Futter tatsächlich besteht.


Denn gutes Hundefutter erkennst Du nicht daran, wer es Dir verkauft.


Und auch nicht daran, was vorne auf der Verpackung steht.

Du erkennst es daran, was tatsächlich drin ist.


Und manchmal lohnt es sich deshalb sehr, im „Zoofachhandel“ nicht nur zuzuhören.

Sondern nachzufragen.


Denn zwischen

„Katzen benötigen Taurin über die Nahrung“


und

„Hunde können Taurin nicht abbauen“


liegt ernährungsphysiologisch eine ganze Menge.


Offenbar manchmal aber nur ein Regal im „Zoo"fach"handel“.





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